Energieausweis – was man wissen muss

Ein Energieausweis zeigt, wie die Wärmedämmung und die Heizungsanlagen einer Immobilie energetisch beurteilt werden. Grundlage hierzu ist ein entsprechendes Gutachten. Interessant ist, unter welchen Umständen ein Energieausweis verpflichtend ist und welche unterschiedlichen Arten es bei Energieausweisen gibt. Wie man einen Energieausweis erstellen lassen kann und welchen Nutzen dieser hat, sind ebenfalls Fragen, die im Folgenden beantwortet werden.

Was ein Energieausweis genau ist

Früher sprach man auch vom Energiepass. Es handelt sich um ein Dokument, das im Zuge der Energiesparverordnung (EnEV) erstellt wurde, anhand dessen eine Immobilie energetisch beurteilt und eingeordnet wird. Er informiert über den Energieverbrauch der Nutzfläche (pro Quadratmeter und Jahr) und lässt so Rückschlüsse und Vergleiche der unterschiedlichen Energieeffizienzklassen unterschiedlicher Gebäude zu.

Letztlich besteht hierhin die energetische Qualität einer Immobilie und es lässt sich ablesen, welche Energie- und Nebenkosten auf den Besitzer zukommen. Im Rahmen des Voranschreitens der EnEV wurde der Energieausweis eines Gebäudes zunehmend relevant und seit 2007 nicht nur für Neubauten, sondern auch für bereits bestehende Immobilien eingeführt. Hierdurch soll auf Immobilien mit eher schlechten energetischen Werten aufmerksam gemacht und zu einer Modernisierung ermutigt werden.

Verschiedene Gebäude – verschiedene Ausweistypen

Zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen einem Verbrauchs- und einem Bedarfsausweis. Ersterer ist für Neubauten relevant. Bei Bestandsimmobilien liegt es an verschiedenen Parametern wie Baujahr, Zeitpunkt vergangener Wärmesanierungen und Anzahl der Wohneinheiten, welcher Ausweistyp erforderlich ist. Immobilien, die nicht als Wohngebäude ausgewiesen sind (Büro- Gewerbe- und Verwaltungsimmobilien), brauchen ebenfalls einen Energieausweis. Einbezogen wird hier insbesondere der Energieverbrauch für Klima- und Lüftungsanlagen und für Beleuchtung. Ob ein Verbrauchsausweis oder ein bedarfsorientierter Energieausweis angefertigt wird, kann der Eigentümer selbst entscheiden. Falls im betreffenden Gebäude jedoch außerdem Wohnraum zur Verfügung steht, sind eventuell zwei Energieausweise erforderlich.

Der Verbrauchsausweis

Ein Verbrauchsausweis ist in diesem Zusammenhang einfacher zu erstellen und somit auch kostengünstiger (25–100 €) als der Bedarfsausweis. Um den Energieverbrauch festzustellen, dienen Daten über den tatsächlichen Energieverbrauch der vergangenen drei Jahre. Diese werden in der Regel von einem Messanbieter oder vom entsprechenden Energieversorger erstellt. Dabei ist das individuelle Verhalten der unterschiedlichen Bewohner natürlich ausschlaggebend, weswegen über den zukünftigen Bedarf bzw. tatsächlichen energetischen Zustand des Gebäudes nur vorsichtig Aussagen festgesetzt werden können. Dadurch ist der Verbrauchsausweis im Vergleich zum Bedarfsausweis weniger aussagekräftig.

Der Bedarfsausweis

Diese Art des Energieausweises ist bedarfsorientiert und zeigt den theoretischen Energieverbrauch einer Immobilie an. Als Grundlage dient hier ein technisches Gutachten, in welchem die technischen Details wie Zustand von Heizanlage, Fenster und Wänden genutzt werden, um den Energiebedarf berechnen zu können. Außen vor bleibt hier das individuelle Verhalten der Bewohner bezüglich der Energienutzung. Der Vorteil dieses Vorgehens: Es können leicht die energetischen Schwachpunkte einer Immobilie identifiziert werden.

Energieausweis als Pflicht?

Grundsätzlich ist ein Energieausweis seit dem 1. Oktober 2008 verpflichtet und jeder Neubau muss über einen solchen verfügen. Hierzu müssen die Bundesländer seit der EnEV (2014) Stichprobenkontrollen durchführen.

Bei Immobilienverkauf oder -vermietung muss der Eigentümer den Kaufinteressenten bzw. Mietern den Energieausweis vorlegen und zudem auch in einer Immobilienanzeige entsprechende Angaben machen. Somit ist ein Energieausweis für Eigentümer bei Verkauf oder Vermietung verpflichtend. Bei Verstößen ist laut EnEV (2009) ein Bußgeld in Höhe von 15.000 € möglich, seit 2014 gar von 50.000 €.

Ausnahme: Immobilien, die unter Denkmalschutz stehen, sowie kleinere Immobilien mit weniger als 50 Quadratmetern Nutzfläche. In diesen Sonderfällen ist kein Energieausweis nötig.

Was ist im Energieausweis vermerkt?

Normalerweise hat ein Energieausweis 5 Seiten, in den allgemeine Daten wie Name, Adresse und Beruf des Ausstellers und das Ausstellungsdatum vermerkt sind. Seit Mai 2014 sind ebenfalls eine Registriernummer zur leichteren Identifikation und Kontrolle sowie die Energieeffizienzklasse (A+ bis H) vermerkt. Mithilfe einer Wertetabelle lassen sich auch Immobilien mit älteren Energieausweisen klassifizieren. Die Energieausweistypen sind grundsätzlich deckungsgleich, können jedoch in der Anordnung der jeweiligen Kennwerte variieren.

Seite 1 vom Energieausweis: Allgemeine Daten zum Gebäude (Anschrift, Wohnungsanzahl, Baujahr usw.) und Angaben zum Verfahren der energetischen Untersuchung.

Seite 2 vom Energieausweis: Die ermittelten Kennwerte des prognostizierten Energieverbrauchs im Falle eines Bedarfsausweises. Beim Verbrauchsausweis fehlen diese Angaben.

Seite 3 vom Energieausweis: Die Kennwerte des Energieverbrauchs im Falle eines Verbrauchsausweises, die wiederum beim Bedarfsausweis fehlen.

Seite 4 vom Energieausweis: Modernisierungsempfehlungen und -vorschläge seitens des Gutachters, die den energetischen Zustand des Gebäudes optimieren können. Staatliche Subventionen für solche Sanierungen, beispielsweise bei Wärmedämmung, sind möglich.

Seite 5 vom Energieausweis: Abschließende Erklärungen zu den Angaben und Berechnungsverfahren.

Es handelt sich bei den Angaben stets um den Endenergiebedarf: die tatsächlich verbrauchte Energie abzüglich Wandlungs- und Übertragungsverlust. Somit können die Werte im Energieausweis vom realen Endenergiebedarf abweichen, wenn bestimmte Parameter wie etwa die Lage der Wohnung nicht berücksichtigt wurden: So ist der der Wärmeverlust im Dach- oder Erdgeschoss höher als in den Wohnungen dazwischen, was zu unterschiedlichem Heizverhalten führt.

Wie erstellt man einen Energieausweis?

Ein Energieausweis lässt sich unkompliziert online beantragen, egal, ob es sich um Verbrauchs- oder Bedarfsausweis handelt.

  • Wählen Sie den passenden Energieausweis.
  • Anschließend werden die Eckdaten des Gebäudes eingegeben (Baujahr, Gebäudeart usw.).
  • Innerhalb von 24 Stunden wird durch zertifizierte Energieberater der Energieausweis ausgestellt.
  • Zahlung per Rechnung nach Erhalt des Ausweises.
  • Nun ist Verkauf oder Vermietung mit neuem Energieausweis möglich.

 

Die Gültigkeitsdauer des Energieausweis

Normalerweise ist ein Energieausweis 10 Jahre gültig. Übrigens haben somit die ersten Energieausweise im Sommer 2018 ihre Gültigkeit verloren. Wer geplant hat, seine Immobilie zeitnah zu veräußern oder zu vermieten, sollte somit den Energieausweis überprüfen und erneuern lassen. Ein komplett neuer Ausweis ist dann nötig, wenn die Immobilie grundlegend saniert bzw. gemäß energetischer Relevanz umgebaut wurde. Nach EnEV (2014) wird dann die Immobilie komplett neu berechnet und ein neuer Ausweis ausgestellt. Ein Energieberater kann hierzu genauere Auskunft geben.